Blood 2 - The Chosen ist der offizielle Nachfolger von
Blood, welches 1997 von
Monolith Productions veröffentlicht und auch gleich in Deutschland indiziert wurde. Ergo gab es für
Blood 2, welches seinem Namen alle Ehre macht, eigentlich gar keine Chance, sich in Deutschland zu verkaufen. Aufgrund fehlender und fehlerhafter Anträge kam es jedoch jahrelang zu keiner Indizierung, was dafür sorgte, dass sich
Blood 2 auch in Deutschland oberhalb der Ladentheke erwerben ließ.
Blood 2 erschien 1998 und schaffte es, eines der bis dato brutalsten Spiele mit dem bissigsten Humor überhaupt zu werden. Eine Art von Humor, die erst mit
Postal 2 wieder auflebte und natürlich auch nicht jedermanns Geschmack war. Denn, wie erwähnt: Der Name war Programm.
Blood 2 – Die Story
Jeder kennt das berühmte „I live again“ im ersten Level des Spieles
Blood, als Caleb, der Antiheld der
Blood-Spiele, wiederaufersteht, um sich an seinen Feinden zu rächen und den bösen Gott Tchernobog zu erledigen, der von den „Cabal“-Mitgliedern angebetet wird.
Blood 2 spielt weit in der Zukunft, genauer im Jahre 2028, aber die Gegner sind die gleichen – eine durchgeknallte Sekte.

Dieses Mal ist Caleb jedoch nicht alleine, er erhält Unterstützung von den sogenannten „Chosen“, deren Namen Ophelia, Ishmael und Gabrielle sind. Ophelia ist eine junge Frau mit einem dunklen Geheimnis, Ishmael ein magiebeherrschender ehemaliger Artist eines Zirkus und Gabrielle war früher mal ein Mann und ist eine einzige wandelnde Waffe... wie man sieht, eine interessante Mischung, die uns Monolith in gut dosierten Zwischensequenzen vorzeigt und erklärt, was Caleb wirklich will und was er mit „Cabal“ zu schaffen hat.
Blood 2 – Das Spiel
Man startet das Spiel wahlweise als Caleb oder einer der Chosen, was jedoch nicht zu empfehlen ist, da die Zwischensequenzen der Storyline nur auf Caleb als Protagonist zurechtgeschnitten sind und sonst gar nicht erst gezeigt werden. Gleich im ersten Level sieht man, weswegen dieses Spiel zu deutsch „Blut 2“ heisst: Ein Zug, von vorne bis

hinten gefüllt mit in schicken Anzügen steckenden und schwer bewaffneten Sektenmitgliedern – und Caleb muss ins vordere Abteil und die Kontrolle übernehmen. Blut spritzt, Gegner explodieren förmlich, lautes Schreien und abgetrennte Gliedmaßen. In diesen wenigen Minuten kommt man auch mit der für 1998 recht fortgeschrittenen Physik-Engine in Kontakt: Wenn ein Kopf auf dem Boden liegt, kickt ihn der Spieler bei Berührung automatisch weg – ein kleiner Gag, der im Add-on
Blood 2: The Nightmare Levels einen eigenen Spielmodi erhielt: „Zombie Head Soccer“.
In den folgenden Levels, die übrigens nicht nur optisch äußerst abwechslungsreich sind, kämpft man sich durch dunkle Gassen, leerstehende Häuser, Kanalisationen, Fabriken und vieles mehr. Besonders hervorzuheben sind die beiden Level, in

denen man erstens in einer riesigen Kathedrale gegen schwebende Zauberer und Monsterhorden kämpft, während draußen ein Gewitter tobt und zweitens sich auf einem Luftschiff befindet, welches hunderte Meter über dem Boden dahingleitet und man mittels Sniper-Rifle auf riesige Entfernung die Gegner ausschalten kann. Kleinere Rätsel (Suche Schalter A für Türe B) können insgesamt leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass Blood 2 erstens sehr linear und zweitens einzig und allein des Tötens willen existiert.
Die eigentlich dunkle und bedrückende Stimmung wird aber nicht nur durch leuchtend rote Blutfontänen aufgehellt, sondern auch durch die Sprüche Calebs, der wie zu Dukes besten Zeiten einen Spruch nach dem anderen loslässt – wenn man den Gegner in eine Blut/Fleisch-Wolke verwandelt, ruft er zum Beispiel „Yeah, thats right, who`s the laughing now?“ oder „Oh, did i hurt your feelings?“.
Blood 2 – Die Gegner
Die Gegnerpalette reicht von dem simplen Sektenmitglied (Cultists) über Monster wie in
Far Cry (Shikari) bis zu sich beamenden und schwebenden Zauberern (Prophets) und anderen Ausgeburten der Hölle. So nett die Gegner auch anzusehen sind, die KI ist eher schwach. Genau wie schon in
Shogo: Mobile Armor Division, ebenfalls ein Shooter von Monolith, behindern die Gegner sich selbst oder reagieren gar nicht erst auf Beschuss, sofern man weit genug entfernt steht. Wenn ein Gegner getötet wird, kann es passieren, dass sein 2 Meter nebenan stehende Kollege nicht mal mit der Wimper zuckt sondern weiter gelangweilt in die Gegend schaut. Genial hingegen: Wenn die Gegner sich zu sehr nerven, greifen sie sich gegenseitig an. Bei großen Gegnerhorden macht es einigen Spass zuzusehen, wie sich feuerspuckende Bestien (Drudge Lords) mit Zombies prügeln.
Blood 2 – Die Waffen
Einfallsreich waren sie ja, die Entwickler von
Blood 2. Es gibt nicht nur die Standardwaffen wie Pistole, Sturmgewehr und Schrotflinte, sondern ein paar echt exotische Tötungsinstrumente.

Da wäre zum Beispiel der Singularity Generator, welcher ein schwarzes Loch erzeugt und die Gegner – aber auch den Spieler selbst – anzieht und äußerst schnell tötet. Oder eben die Voodoopuppe, auf die der Spieler mit einer Nadel einsticht und somit die Gegner auf Distanz ohne direkten Kontakt umbringt. Oder wie wäre es mit dem Orb, der Lieblingswaffe des oben erwähnten Chosen Ishmael, eine fliegende Kugel, die sich auf die Gesichter der Gegner setzt und sie zerfleischt? Aber keine Sorge, auch die Flare Gun und der Life Leech vom ersten
Blood-Teil sind wieder mit dabei. Insgesamt gibt es 17 Waffen, mit denen ihr den Gegnern das Leben verkürzen könnt.
Blood 2 – Die Grafik/Der Sound
Die Grafik ist heutzutage hoffnungslos veraltert, soviel steht fest. Trotz dessen besitzt die Grafikengine einen eigenen Charme. Sie zeigt liebevolle Details, prächtige Bauten und schöne Animationen. Manche Level sind zwar etwas trist, aber das Problem hatte Monolith schon öfters. Die Lithtech-Engine der damaligen Generation wurde schon von vielen Firmen lizensiert und ist neben der Engines von
id-Software eine der meistgenutzten auf dem Markt. In ihrer neuesten Fassung war sie in
F.E.A.R. im Einsatz.

Der Sound ist durchgehend gut: Leise, stimmungsvolle Musik, liebevoll und sparsam eingesetzt, deutliche und klare Waffengeräusche, markige Stimmen mit Wiedererkennungswert und die schon angesprochenen Sprüche Calebs sorgen für eine fantastische Atmosphäre.
Blood 2 – Multiplayer
Der Multiplayermodus von
Blood 2 war ein Schock für all diejenigen, die auf LAN-Partys den ersten Teil spielten: Die Level sind zwar recht nett und ansehlich, aber die Tatsache, dass fast jeder Schuss einer etwas stärkeren Waffe den Gegner sofort tötet, hemmt den Spielspass und –fluss doch gewaltig.
Blood 2 ist eindeutig ein Singleplayerspiel.
Blood 2 – Die Zukunft
Wird es ein
Blood 3 geben? Diese Frage wird schon lange im Internet heiß diskutiert.
F.E.A.R. ist nicht der erträumte
Blood 2-Nachfolger geworden und offiziell angekündigt wurde es auch nicht. Monolith Productions sucht zwar aktuell viele neue Mitarbeiter, die das ohnehin schon große Team verstärken sollen. Und nach den Erfolgen von
Condemned: Criminal Origins und
F.E.A.R. hat Monolith genügend finanzielle Mittel, um neue Kräfte anzuheuern und mehrere Spiele parallel zu entwickeln.
Das Problem ist jedoch, dass die Rechte an dem Namen
"Blood“ nicht bei Monolith liegen und auch nicht mehr bei
GT Interactive Software, wie ich von einem Monolith-Mitarbeiter per eMail erfuhr, sondern bei einem anderen Publisher. Sofern dieser nicht Monolith oder einen anderen Spieleentwickler beauftragt,
Blood 3 zu programmieren, wird es auch keines geben.
Ich würde mal sagen, wir hoffen einfach das Beste und spielen bis dahin weiter
Blood 2.