Mit
Contract J.A.C.K. erschien 2003 ein Prequel zu
No One Lives Forever, in dem der Spieler die Seiten wechselt und als H.A.R.M.-Agent sein Killerdasein fristet. Ob von diesem Spiel soviel erwartet werden kann wie Cate Archers Abenteuer bieten, erfahrt ihr in diesem Artikel.
Auftragskiller und Verbrecherorganisationen
John Jack erwacht, auf einen Holzstuhl gefesselt. Zwei finstere Herren mit geladenen Waffen stehen – nicht grade freundlich gesinnt - vor ihm. Und dann kommt auch noch eine Stimme über den Lautsprecher des Telefons, die ihnen befielt, John umzubringen. Aber John Jack schafft es sich zu befreien, überwältigt einen der Killer, schnappt sich dessen Waffe und legt los...
Im Spiel
Contract J.A.C.K. übernehmt ihr die Rolle des (ebenfalls) Auftragskillers John Jack, der im Laufe der Story für H.A.R.M. den Kampf gegen eine konkurrierende Verbrecher-Organisation aufnimmt, wobei euer Chef, Dimitri Volkov, ein alter Bekannter aus
NOLF-Tagen ist.
Lithtech - Die Grafikengine

Das grafische Grundgerüst ist die gute alte Lithtech-Engine ("Jupiter") von
Touchdown Entertainment, einer Tochterfirma der
Monolith Productions, wie sie auch schon in
No One Lives Forever 2: Agentin in geheimer Mission eingesetzt wurde. Diese Engine stand seit jeher für visuell anspruchsvolle Spiele (siehe
Tron 2.0), wirkt im Jahre 2007 aber deutlich angestaubt.
Die Bewegungen der Spielfiguren sind durchweg flüssig, wirken aber manchmal etwas hektisch und zu schnell. Wenn ich mit 100%-Geschwindigkeit einkaufen gehe, machen es die Gegner im Spiel mit 130%. Die Texturen sind knackig scharf und vervollständigen die uns wohlbekannte Grafikkost, inklusive netter Explosionen und genialem Mündungsfeuer.
Die Zwischensequenzen, welche meist direkt vor einer Mission ablaufen und diese einleiten, sind ebenfalls in der Spielgrafik gehalten.
Jetzt gibts was auf die Ohren!

Die Musik, ein großer Pluspunkt in beiden
No One Lives Forever-Teilen, ist in
Contract J.A.C.K. etwas unspektakulärer ausgefallen. Sie klingt immer noch wie aus einem Agentenfilm der 70er Jahre, artet aber nach einer Weile leider in nervtötendes, sich ständig wiederholendes Gedudel aus.
Die Synchronisation der Spielfiguren ist im englischsprachigen Original superb, während die deutsche Version im sprachlich-auditiven Mittelfeld rangiert. Wie die Musik und Sprachausgabe reicht auch die Qualität der Sounds - zum Beispiel die Waffengeräusche - nicht an die Klasse des Originals heran.
Die künstliche IntelligenzZzzzzZZzzz

Die künstliche Intelligenz kann in
Contract J.A.C.K. nicht überzeugen. Während dem Spieler anfangs erfolgreich vorgegaukelt wird, die Gegner reagierten auf seine Aktionen, macht sich bald Ernüchterung breit: Die Gegner suchen zwar Deckung und sind sehr zielsicher, insgesamt aber sind sie eines Monolith'schen Spieles nicht würdig. Die Einheiten gehen immer nach einem bestimmten Schema vor und halten dies auch dann ein, wenn der Spieler gar nicht erreichbar ist. Dann ballern die Kerle halt – zur Not auch stundenlang – gegen die Wände. Außerdem rufen die gegnerischen Killer dem Spieler immer zu, was sie als nächstes machen möchten. Besonders geil ist die Ankündigung "GRANATE!", woraufhin der Spieler einfach nur noch Deckung suchen muss.
Ein paar Worte zur Steuerung
Die Steuerung ist perfekt gelungen, alle Tasten sind frei konfigurierbar. Lediglich das Steuern der Fahrzeuge ist eine Unverschämtheit. Apropos Fahrzeuge: Ein Schneemobil und ein Mofa (natürlich mit einem Maschinengewehr bestückt) gilt es zu bedienen, was, wie gesagt, schlecht von der Hand geht und Abzüge in der B-Note nach sich zieht.
Gameplay - Was bieten die Missionen?

Die Missionen von
Contract J.A.C.K. zeigen den deutlichsten Unterschied zu den beiden
NOLF-Teilen. Das Missionsdesign ist weniger liebevoll umgesetzt und das gesamte Spiel über gleich eintönig: In einen Raum laufen, alle Gegner niedermähen, in den nächsten Raum und das ganze von vorne.
Contract J.A.C.K. erreicht spielerisch nie die Klasse und Raffinesse eines
NOLF. Jede Mission spielt sich wie die vorherige – Potentialverschwendung.
Die weiter oben bereits erwähnte KI wäre alleine nicht das Problem, wenn die Gegner wenigstens halbwegs frei agieren könnten. Können sie aber nicht, denn ihr virtuelles Leben ist streng an den Levelaufbau gekoppelt.
Contract J.A.C.K. scheint fast aus tausend gescripteten Ereignissen zu bestehen; meist erscheinen ein paar Gegner an Punkt B, wenn der Spieler an Punkt A angekommen ist. Es gibt wenig erfrischende Ideen und keine Schleichpassagen.
Ab und an lächerlich wirken die schick animierten, aber bis ins Unendliche gescripteten Sterbeanimationen. Jeder auf einer Brücke oder an einem Fenster stehende Gegner fällt prinzipiell über die Brüstung, beziehungsweise durch das Fenster, auch wenn die vorige Bewegung der Einheit in eine ganz andere Richtung ging.
Rätseleinlagen sind seeeeee(...)eeehr spärlich gesät und beschränken sich auf ein paar wenig fordernde 08/15-Knobeleien wie das Umlegen von Schaltern, die in fast jeden Shooter integriert werden, nur damit dem Hersteller nicht unterstellt werden kann, er habe Adventure-Elemente außen vor gelassen.

Ein Schock für alle Agentenspielfans ist die Tatsache, dass es außer den aus anderen Shootern bekannten Waffen wie der Pistole, einer Shotgun, diversen Gewehren und einer Laserwumme keine Agentenspielzeuge gibt. John Jack ist eben ein knallharter Kerl, der einzig auf Waffengewalt setzt und das Spiel damit eine ganze Portion unspannender macht.
Und noch eine Sache ist Monolith in diesem Spiel misslungen: Es gibt in den 10 Missionen praktisch keine Identifikation mit der Spielfigur. Auch die mickrige Spieldauer ist unglaublich, denn nach ca. 4 Stunden flackert der Abspann über den heimischen Monitor.
Contract J.A.C.K. bietet drei Schwierigkeitsgrade und ist insgesamt zwar fordernd, aber nie zu schwer, da (je nach Stufe) viele Medikits, Schutzwesten und Munition herumliegen.
Der Vollständigkeit halber...
Die deutsche Vollversion ist ab 16 Jahren freigegeben und demnach deutlich geschnitten.
-> Todesschreie wurden entfernt
-> Spritzendes Blut bei Treffern wurde durch graue Rauchwölkchen ersetzt
-> Sämtliche Ragdolleffekte bei am Boden liegenden Toten wurden deaktiviert
-> Leichen können nicht in Brand gesetzt werden
Den Spielspass beeinflussen diese Einschnitte jedoch nicht.
Besser als die Schnitte ist die große Besonderheit, dass
Contract J.A.C.K. die Vollversion von
No One Lives Forever 2 beiliegt.
Und um kurz das Thema "Multiplayermodus" anzuschneiden:
Contract J.A.C.K. hält den Spieler in Teamkämpfen online oder im Netzwerk nur eine kurze Weile bei Laune. Aber heutzutage spielt dieses Spiel ohnehin niemand mehr online.