Vorwort
Seit Jahren kommen immer wieder Spiele auf den PC, welche Ihren Ursprung in der Konsolenwelt haben. Meist sind dies leider nicht grade gelungene Umsetzungen, werden die Schwächen der Daddelkisten (Steuerung, Grafik) doch meist Eins zu Eins übernommen. Nun hat wieder ein Entwickler-Team einen Konsolen-Hit auf den PC portiert. Free Radical Design will uns mit einer packenden Story in eine düstere Welt mit etlichen, außergewöhnlichen Features entführen. Dass sich Vieles im Kopf abspielt bekommt man gleich zu Beginn eindrucksvoll demonstriert, denn der Held des Spiels hat "Das Zweite Gesicht", Second Sight!
Erinnere Dich

Das Licht der Neonröhren brennt in Deinen Augen. Eine Lampe nach der Anderen zieht an Dir vorbei, während Du durch einen Flur geschoben wirst. Die Wände sind kahl, nackt, steril. Festgeschnallt auf einer Trage bekommst Du die Gesprächsfetzen der Sicherheitsleute mit, ein Mediziner verpasst Dir eine große Spritze, es wird dunkel. Als Du wieder zu Dir kommst bist Du immer noch auf der Trage festgeschnallt. Du denkst daran die Schnallen zu lösen...und es passiert. Und noch während Du aufstehst kommen unzählige Fragen: Wer bin ich? Wo bin ich? Warum habe ich Verbände am Körper und bin Blutverschmiert? Doch ein Drang ist größer als all die Fragen zu klären: Du willst hier RAUS!
Ab in die Freiheit

Zugegeben, die Anfangs-Story hat man sicher schon irgendwann irgendwo einmal gehört. Doch im laufe des Spiels wird die Geschichte durch gut gelungene Zwischensequenzen weitererzählt und es ergeben sich etliche, verblüffende Story-Dreher. Hier nur so viel: Euer Name ist John Vattics und ihr wart mit einem Sondereinsatz-Kommando in Sibirien unterwegs. Auf der Suche nach einem Geheimlabor, in dem angeblich Versuche an menschlichen Gehirnen stattfinden, ist wohl irgendetwas schief gegangen. Nun sieht es so aus, als ob Ihr selbst Opfer dieser Versuche geworden seid und in einer Art Krankenhaus festgehalten werdet. Das Gebäude entpuppt sich als gut gesichertes Forschungslabor. Ihr wollt nur eins: Ab in die Freiheit.
Gameplay

Was sich bis jetzt recht spannend anhört spielt sich auch so. In Rückblenden bekommt John Stück für Stück seine Erinnerungen wieder und Ihr müsst diese auch spielen. In diesen Flashbacks bekommt Ihr Unterstützung von Jayne, einer feuerfreudigen jungen Dame die es ebenso wie unser Held auf den Hauptgegner dieser Forschungen abgesehen hat. Sie schießt selbstständig, nimmt sich bei Bedarf Medipacks und besitzt ebenfalls einige PSI-Fähigkeiten. So kann sie etwa in die noch verbliebenen Gedanken Toter hineinschauen.
Um nicht aufzufallen könnt Ihr Euch an Wänden entlang schleichen, um Ecken spähen oder ducken.
Die innere Kraft

Müsst Ihr die Flashback-Missionen meist ohne übernatürliche Kräfte absolvieren, könnt Ihr im Krankenhaus Eure PSI–Kräfte einsetzen. Mit den beiden Maustasten ist es dann möglich, Gegenstände zu heben und wegzuschleudern, unerreichbare Schalter zu betätigen oder auch durch Lichtschranken zu gehen. Letzteres ist wohl eines der coolsten Features im Spiel. Ihr generiert ein zweites Ich und erledigt damit eine Aufgabe. Nach getaner Arbeit verschmelzen die beiden Körper wieder. Das alles kostet natürlich Energie. Eine Anzeige in der oberen linken Ecke zeigt an, wie viel übernatürlicher Kraft noch in Euch steckt. Diese lädt sich jedoch relativ schnell wieder auf, so dass es eigentlich keinen Mangel geben wird.
Grafik & Sound

Wie die meisten Konsolen-Umsetzungen schwächelt auch „Second Sight“ bei der Umgebungsgrafik. Spärlich gesäte Partikel-Effekte und triste Texturen nutzen bei weitem nicht alle Möglichkeiten heutiger PC-Spiele. Jedoch passen diese blassen, eigentlich detailarmen Strukturen grade im Krankenhaus genau in die Atmosphäre. Einzig wenn John seine PSI-Kräfte einsetzt blitzen farbige Lichteffekte über den Monitor. Einen riesigen Pluspunkt bekommt das Game in Sachen Figuren-Animation. Der Hauptcharakter sieht schrecklich krank aus und bewegt sich auch so. Bei der Nutzung der PSI-Kräfte etwa sieht man John wirklich an, dass er sich anstrengt. Sein ganzer Köper krümmt sich und zittert. Aber auch die Gegner bewegen sich flüssig und sind mit viel Liebe zum Detail entworfen.
Passend zu den Bildern gibt es eine stimmungsvolle Hintergrundmusik. Wie der Name schon sagt hält diese sich zurück und lässt so akustisch Platz für ein echtes Highlight im Spiel, der Sprachausgabe. Diese gibt es leider nur in Englisch, jedoch ertönt die Stimme des Hauptcharakters professionell gesprochen und sehr klar. Deutsche Untertitel werden auf Wunsch eingeblendet, auch andere Sprachen (etwa italienisch oder spanisch) können angezeigt werden.