Im Jahre 2000 wurden wir PC-Spieler mit einem Spiel der besonderen Art beschenkt: Ein auf der Lithtech v1.5 Engine (
Monolith) basierenden Shooter, der den Spieler die Rolle der vier Bandmitglieder der weltbekannten Gruppe „Kiss“ übernehmen lässt.
Was sich trashig anhört war einer der unterhaltsamsten Shooter des Jahres und hörte auf den klangvollen Namen
„Kiss Psycho Circus – The Nightmare Child“. Und das Wort „Psycho“ traf wirklich in allen Belangen zu.
Happy Halloween

Die Story ist kaum erwähnenswert, die Kiss-Rocker haben die Aufgabe, das „Nightmare Child“ daran zu hindern zu wachsen und zu gedeihen, da es mit voller Kraft das Universum zerstören könnte... also, frisch ans Werk, die Welt will gerettet werden! Hierzu suchen wir uns einen der vier frisch geschminkten Jungs aus, von denen jeder ein Element repräsentiert und kämpfen uns in bester „viele Gegner, wenig Rätsel“-Manier durch teils recht große Areale. Sinnvoll ist es übrigens, zuerst den Charakter „Starbearer“ zu nehmen, da sich nur so die Story korrekt entfaltet.
Grand mal-Anfall
Das Level startet mit einer kleinen Kamerarundfahrt, die uns eventuell vorhandene Secrets und lauernde Gegner zeigt, dann geht’s in der 1st-Person-Perspektive schon los durch wunderschön gestaltete und liebevoll ausgetüftelte Level. Es dauert auch nicht lange, bis die ersten Gegner auf sich aufmerksam machen: Allerlei Monster tummeln sich auf den Wegen der Kathedralen, Circusarealen und anderer durchgeknallter Ortschaften, die nicht grade mit enormer Intelligenz gesegnet sind, aber durch ihre schiere Masse beeindrucken. Es kommt nicht selten vor, dass man mit 30 spinnenartigen Monstern in einen Raum eingeschlossen ist und sich der Ausgang erst nach erfolgreicher Abschlachtung öffnet –
Serious Sam lässt grüßen.

Hierin liegt auch der enorme Reiz von
Kiss Psycho Circus – bis dato hatte es noch kein Spiel geschafft, mit solch einer ansehnlichen Grafik so viele Figuren auf den Monitor zu zaubern. Es grenzt fast an Reizüberflutung, wenn überall Blut, Beine, Kisten, Monster und Projektile mit zugehöriger Geräuschkulisse ihren Weg durch die Luft finden und der Feuerknopf der Maus fast anfängt zu brennen. Eine geniale Atmosphäre, anders kann man es kaum ausdrücken.
Gewalt ist eben doch eine Lösung
Wie die Story und Kämpfe schon vermuten lassen, gibt es in
Kiss Psycho Circus allenfalls ein Schalterrätsel oder ähnlich anspruchlose Knobeleien zu bewältigen, die meiste Zeit des Spiels ist man mit der Bedienung seiner Waffen beschäftigt und froh, wenn man in einer kleinen Feuerpause mal kurz durchschnaufen kann.

Es gibt 6 Waffen pro Figur, wobei jeweils nur 2 Spezialwaffen existieren, was dem Spielspass aber keinen Abbruch tut. Denn trotz der geringen Anzahl an Waffen gilt es sie geschickt einzusetzen: So kann man Munition sparen, indem man die Spinnenmonster mit der Nahkampfwaffe tötet, ein Raketen verschiessender Clown lässt normale Projektile von seinem Bauch abprallen. Das Spiel zeichnet sich ausserdem durch viele gescriptete Schockmomente aus, so brechen zum Beispiel Wände lautstark auf und Gegnermassen krabbeln hervor und gehen direkt in den Angriff über.
Hokus Pokus

Einen Multiplayermodus gibt es natürlich auch noch, welcher aber keinesfalls an Konkurrenzprodukte heranreicht. Aber für eine kleine Runde Deathmatch ist
Kiss Psycho Circus wahrlich gut genug. Der Sound kann hingegen voll überzeugen: Stimmungsvolle Musik, kreischende Monsterhorden und eine deutliche Sprachausgabe lassen einen schnell in der vorzüglichen Atmosphäre versinken.