Wenn kleine Hobby-Entwickler ausziehen, um die Modding-Welt zu verändern, macht das schon mal einen großen Publisher aufmerksam. So geschehen bei den Traum Studios
, die im Jahr 2002 eifrig an der Desert Combat getauften Mod für Battlefield 1942 werkelten. Digital Illusions , Hersteller der bekannten Battlefield
-Reihe, holte daraufhin das junge Team an Bord und übertrug ihnen diverse Arbeiten an Battlefield 2. Doch die Zusammenarbeit war nicht von langer Dauer, und man trennte sich nach dem Release wieder. Unter dem neuen Namen Kaos Studios machten sich die ehemaligen Modder nun an die Entwicklung ihres ersten eigenen Vollpreistitels – Frontlines: Fuel of War (kurz FFoW). Angepriesen wurde eine "neuartige" Symbiose aus Einzel- und Mehrspieler-Erfahrung, die die Genrekonkurrenz der Marke Battlefield und Co nicht zu bieten hat. Wir haben eine freundlicherweise von Publisher THQ zur Verfügung gestellte Verkaufsversion unter die Lupe genommen. Willkommen im Ölkrieg...
Battlefield Earth – Storyline

Wie schon in unserer
Preview zu lesen war, dreht sich in
Frontlines alles um das Schwarze Gold, das laut den
Kaos Studios in den kommenden Jahren reichlich knapp werden wird. So knapp, dass sich anno 2024 zwei verbliebene Supermächte um die letzten Ölreserven streiten – die
Western Coalition, bestehend aus den USA und Teilen Europas, sowie die sog.
Red Star Alliance, ein Bündnis aus China und Russland. Die Ereignisse, die sich die Storywriter für das Spiel ausdachten, lesen sich schon beinahe so detailliert wie ein
Geschichtsbuch... Während die Bevölkerung nun von Hunger und Krankheit gebeutelt zu überleben sucht, schicken die beiden Koalitionen ihre von synthetischen Treibstoffen genährte Kriegsmaschinerie auf die Schlachtfelder. Als Teil einer amerikanischen Elite-Einheit, den sog.
Stray Dogs, verschlägt es den Spieler über Kasachstan und Tadschikistan weiter nach Norden. Der eher nachdenklichen Intro-Sequenz folgt eine hübsche Renderszene, in der sich Reporter
Dwayne Andrews zusammen mit den Stray Dogs auf dem Weg Richtung Turkmenistan befindet. Doch der als ruhige Patrouille geplante Einsatz gerät völlig außer Kontrolle: der
Black Hawk-Helikopter stürzt mitten in der Feindzone ab – und die verbliebenen Soldaten sehen sich eben dem Gegenüber, was der Name des Spiels propagiert: der
Frontlinie...
Welcome to the front line – Spielmechanik

...dem Dreh- und Angelpunkt von FFoW. Nun, wie funktioniert das Ganze? Jede
Map ist eine Zusammenstellung multipler Serien von Missionszielen, die entweder neutral sind, oder einer der beiden Supermächte angehören. Jede dieser Serien repräsentiert eine einzelne Frontlinie, und nur die Ziele der jeweils akuellen sind aktiv und können eingenommen werden. Nun gilt es, in frei wählbarer Reihenfolge, die verschiedenen Punkte entlang einer solchen Linie einzunehmen – so dass diese im Anschluss tiefer ins Feindgebiet verlagert wird. Ziel ist es letztlich, den bleihaltigen Hexenkessel direkt an die gegnerische Basis zu treiben, und eben jene zu erobern. Punkt, Satz und Sieg! Die Steuerung entspricht weitestgehend üblichen Genrestandarts und ist je nach Vorliebe frei konfigurierbar. Während sich FFoW zu Fuß oder in Bodenfahrzeugen so unkompliziert wie z. B. in
Battlefield 2 steuern lässt, ist für den Gebrauch von Fluggerät schon etwas Können erforderlich.
Enemy Territory: Frontline Wars – Klassen, Rollen und Spielzeuge

Grundsätzlich "beherrscht" FFoW im
Single- wie auch im
Multiplayer nur einen einzigen Spielmodus:
Frontlines, wer hätte es gedacht. Das besondere: der "Held" ist eigentlich keiner, sondern mimt nur eines von vielen "Frontschweinen". Enstprechend wird nach dem virtuellen Ableben nicht etwa ein alter Spielstand geladen, sondern es erfolgt – wie in Multiplayer-Titeln üblich, ein
Respawn. Für den Spielfluss ist das natürlich förderlich, und man fühlt sich "offline" wie in einer heißen Mehrspieler-Schlacht. Der Nachteil: die Identifikation mit dem virtuellen Alter Ego ist gleich Null... Die Anzahl der Respawns ist in der Kampagne an den jeweiligen Schwierigkeitsgrad geknüft: "Leicht" ermöglicht bis zu 13 neue Einstiege, während beim höchsten Schwierigkeitsgrad gerade fünf Mal zurück ins Schlachfeld "gebeamt" werden darf.

Bei jedem Neueinstieg dürfen sowohl
Klasse (Loadout) als auch
Rolle (Role) des Kämpfers neu definiert werden, jeweils frei kombinierbar (siehe nächste Seite). Während durch die sechs Klassen die Primär- und Sekundärbewaffnung bestimmt wird, sind die vier Rollen der Garant für den Spielspaß: ähnlich einem
Enemy Territory: Quake Wars definieren sie spezielle Fertigkeiten und damit die strategische Rolle des Soldaten auf dem Schlachtfelt.
Ingesamt erwarten den geneigten Zocker rund 60 Waffen und Fahr- bzw. Flugzeuge, darunter einige zeitgenössische Modelle, aber auch futuristische Exemplare – allen voran
EMP-Waffen und die spaßigen
Drohnen. Schade: von gefallenen Gegnern oder Kameraden zurückgelassene Ausrüstung kann nicht benutzt werden. Nicht ganz realistisch ist auch das Fassungsvermögen des Protagonisten: trotz Pistole, zwei großen Waffen, Granaten und evtl. eine Drohe bzw. nötigem EMP-Equipment rennen die Stray Dogs wieselflink – wenn es sein muss über die ganze Karte...