Eines vorweg: Das im Jahre 1997 veröffentlichte
Postal ist ein Spiel für Erwachsene und wurde zu Recht in Deutschland indiziert. Von einem moralischen Standpunkt aus betrachtet kann
Postal nicht als "gutes" Spiel gesehen werden, da es - streng genommen – Gewalt verherrlicht und getötet wird nur um des Tötens willen. Wir von Shooterplanet.de stehen als seriöses Spielemagazin für ein verantwortungsvolles Umgehen mit modernen Medien und vertreten die Meinung, dass solche Spiele wie das hier vorgestellte
Postal nicht in Kinder- und Jugendlichenhände gehören.
Let’s blow something up.
Bezüglich seiner Hintergrundgeschichte bietet
Postal nichts anderes als sein Nachfolger
Postal 2. Im Endeffekt steuert der Spieler einen mit dem politischen System unzufriedenen, namenlosen Mitarbeiter der Post (im weiteren Text nur noch "Postal Dude") durch ein Städtchen und lässt eben jenen Antiheld Amok laufen. "Die Erde ist durstig" – und der Spieler wird diesen Durst nach Blut stillen.
Der größte Unterschied zwischen Teil 1 und 2 ist die Grafik. Während das erste
Postal noch "von oben", also aus einer isometrischen Sichtweise betrachtet wird, ist POSTAL 2 ein waschechter Egoshooter geworden. Der Postal Dude, welcher übrigens die gleiche Stimme besitzt wie in Teil 2, tritt in zweidimensionalen und vorgerenderten Szenarien auf, welche sich weder drehen noch zoomen lassen. Lediglich die Figuren des Spieles selbst bestehen aus Polygonen. Demnach sieht die Umgebung zwar für die damalige Zeit verhältnismäßig schick aus, wirkt aber bewegungsarm und steril. Außerdem sehen manche Level aus wie Comics, was den Realitätsgrad streckenweise etwas zurückschraubt.
Das Missionsziel in
Postal ist immer das Töten einer bestimmten Anzahl von Personen. Ein Killcounter, also eine Anzeige, die über

die Anzahl bisheriger Tötungen informiert, wird ebenso wie die (stetig schrumpfende) Einwohnerzahl der Ortsteile, die der Postal Dude bereist, angezeigt. Nach dem Erreichen einer vorgegebenen Kill-Quote, zum Beispiel 90% aller Einwohner, rückt der Spieler, respektive der Postal Dude durch das Drücken der F1-Taste zum nächsten Level vor. Sofern noch Gegner am Leben sind, kann der Spieler das Level auch erst komplett "säubern", um darauffolgend mit einer besseren Statistik im nächsten Level zu starten. Diese F1-Methode ist unkonventionell und eine Sache, mit der ich mich bei
Postal nie so ganz anfreunden konnte.
Einige Level werden nicht isometrisch, sondern aus einer hohen Vogelperspektive betrachtet (siehe Screenshots). Das Spiel führt den Postal Dude durch diverse Szenarien wie ein Ghetto, Tankstellen, vorbei an Bahnsteigen und über Brücken, bis zu einigen mehr oder minder gutbürgerlichen Stadtteilen. Betroffen von der Aggression des Postal Dude ist alles, was in und um eine mittelgroße Stadt so existiert. Aber egal wo und in welcher Perspektive der Postal Dude die Level durchstreift: Jedes abgeschlossene Level erinnert an ein Schlachthaus, das Wort Blutbad wäre streckenweise noch untertrieben.
Only my weapon understands me.
Der Tötungsakt in
Postal wird sehr drastisch dargestellt und rechtfertigt die bereits erwähnte Indizierung vollkommen. Auf den Gassen laufende Passanten können ebenso wie die Polizei oder Soldaten erledigt werden – der Post Dude macht hierbei keinen Unterschied, wer sich ihm in den Weg stellt. Moralisch bedenklich ist die Möglichkeit, jederzeit auch Kinder erschießen zu können.
Die meisten Passanten fliehen unbeholfen vor dem Spieler, die echten Gegner hingegen brüllen den Postal Dude an und eröffnen sofort das Feuer. Getroffene Gegner schreien, wälzen sich auf dem Boden umher, keuchen und weinen. Häufig wird man ein "Kill me now!" aus den PC-Lautsprechern erklingen hören, wenn ein schwer verwundeter Mann blutend über den Boden robbt. In solch einem Fall kann der Spieler dem Leid per Waffengewalt ein Ende bereiten – makaber. Was in
Postal 2 sehr sarkastisch und witzig rüberkommt, sieht im Vorgänger – auch aufgrund der eingeschränkten grafischen Möglichkeiten – wesentlich ernster aus.
Besonders effekt- und wirkungsvoll sind Brände auslösende Waffen wie Molotow-Coktails. Brennende Gegner laufen kreischend über den Bildschirm und stecken umstehende Passanten an, welche ebenfalls kreischend um ihr Leben rennen. So kann es vorkommen, dass nach einem gezielten Angriff der halbe Bildschirm brennt. Anders bei normalen Granaten oder Raketen:

Hierbei fliegen die gegnerischen Einheiten meterweit durch die Luft, bevor sie leblos auf dem Boden aufschlagen. Wenigstens verzichtete man auf das Abtrennen von Extremitäten.
Insgesamt stehen dem Postal Dude 8 Waffen zur Verfügung, unter anderem ein Gewehr mit unendlicher Munition, ein Raketenwerfer, Molotow Cocktails und die berühmte Shotgun, die in keinem Shooter fehlen darf, zuzüglich verfügt der Protagonist über Granaten. Medikits und Munition liegen in den Leveln verteilt, teilweise hinter Waldstücken versteckt. Auch ermordete Gegner lassen ab und an hilfreiche Gegenstände fallen.
All das Morden kann natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass
Postal keine echte Hintergrundgeschichte besitzt und der Amoklauf des frustrierten Postal Dude nicht großartig kommentiert wird.
Oh, did that hurt?
Die Steuerung des Postal Dude gestaltet sich verhältnismäßig einfach. Mit der Maus oder den Links/Rechts-Tasten dreht sich der Dude, mit Vorne/Hinten läuft er in eben diese Richtungen. Ein Druck auf die linke Maustaste eröffnet das Feuer. Die Steuerung ist insgesamt frei zu belegen, geht gut von der Hand und ist sinnvoll zum Gameplay angelegt: So kann sich der Postal Dude unter feindlichen Raketen wegducken und Selbstmord begehen. Wie, Selbstmord?! Richtig gelesen, der Dude kann sich selbst eine Ladung Schrot in den Schädel pusten, wenn das erfolgreiche Beenden eines Level nicht mehr möglich scheint. Den Befehl hierzu gibt der Spieler mit einem einzigen Knopfdruck.
Nach Abschluss der nach wenigen Stunden durchgezogenen Kampagne zieht es den Spieler unwillkürlich zu den Herausforderung-Spielen: Diese bieten eine Vielzahl von unterschiedlichen Spielmodi an, als da wären "Spießruten", "Zeit nehmen", "Capture the Flag" und "Checkpoint".
Bei "
Spießruten" wird eine Uhr eingeblendet, die einen Countdown bis Null ausführt. Parallel dazu wird die Anzahl der Kills oder der eroberten Flaggen gemäß dem Ziel der Mission angezeigt.
Bei "
Zeit nehmen" wird eine Uhr eingeblendet, die von Null an hochzählt und die Zeit erfasst, die der Spieler zur Erfüllung des Missionsziels benötigt.
In "
Capture the Flag" muss der Spieler eine Flagge unter schwersten Bedingungen klauen und sie zu einem bestimmten Punkt auf der Karte bringen.
"
Checkpoint" ähnelt einem Rennspiel, in denen der Spieler eine feste Zeit zum Bewältigen eines Parcours hat. Bestimmte Fahnen bringen einen Zeitbonus auf der Uhr. Das Ziel ist, soviele Fahnen wie möglich zu erbeuten, bevor die Zeit abgelaufen ist.
Zu Beginn eines jeden Herausforderungsspiels wird das Ziel der Mission unter dem Spielstand des Spielers angezeigt. Man kann es sich während des Spielens jederzeit durch Drücken von F5 erneut anzeigen lassen.

Der Spieler kann seine Herausforderungen auch als Demo aufzeichnen und sich mittels einer Highscore mit seinen Freunden messen.
Ebenfalls ins Spiel integriert ist ein Leveleditor, der dem Spieler die Möglichkeit gibt, seine eigenen Level zu kreieren. Ich persönlich hatte jedoch nie den Nerv, mich mit diesem Editor zu beschäftigen (ich war ein Meister des
Duke Nukem 3D-Editors) und kann deswegen bezüglich seiner Bedienungsfreundlichkeit oder Möglichkeiten keine Wertung abgeben. Ebenso der Multiplayermodus:
Postal verfügt über einen MP-Modus für LAN- und Internetspiele, den ich allerdings nicht testen konnte, da weder Spieler noch Server online sind.
Videogames don’t kill people – I do.
Postal schaffte es dank seiner massiven und sinnlosen Gewaltdarstellung zu einer traurigen Berühmtheit. In Neuseeland ist es neben
Manhunt das einzige jemals verbotene Spiel; sogar der Besitz wird unter Strafe gestellt.
Der US-Amerikanische Post-Service strebte kurz nach der Veröffentlichung von
Postal eine Menschenrechtsklage gegen die Hersteller
Running With Scissors und
Ripcord Games an, verlor diese jedoch nach insgesamt sechs (!) Jahren.
Wie die Hersteller selbst mit solch deutlicher Kritik umgehen, erfuhren die Spieler in
Postal 2: Mit Schildern bestückte Demonstranten stehen in einer Mission vor dem Bürogebäude von
Running With Scissors, laut "Games are bad, they make you mad" rufend. (Siehe Bild) Nach Abschluss der Mission zücken die angeblich gewaltverabscheuenden Demonstranten ihre Waffen und stürmen das Haus. Die Vorgeschichte hierzu waren tatsächlich stattgefundene Demonstrationen in den USA gegen das Spiel
Postal und dessen Hersteller.