Der Held – Gentechnik richtig angewandt!

Egal, ob Soldat, Flüchtling oder Rebell, die meisten Helden verfügen über eine enorme sportliche Kondition. Sie können hunderte von Kilometern rennen und brauchen im schlimmsten Fall zwischendurch nur eine kurze Verschnaufpause. Außerdem können Sie Unmengen von Gegenständen mit sich führen und damit auch noch Kunststücke wie Sprünge oder Klettereien bewerkstelligen. Kurzum, alle Ego-Shooter Protagonisten sind wahre Sportskanonen und wären eine echte Bereicherung für jede olympischen Spiele.
Dabei sollte man bedenken, dass die wenigsten von Ihnen überhaupt Beine haben, sondern körperlos in Augenhöhe durch die Level schweben.

Doch das ist nur eines der medizinischen Wunder, für das sie stehen. So können Sie beispielsweise von Kugeln durchlöchert werden und brauchen nur kurz auszuruhen, um wieder zu genesen. Ältere Zeitgenossen nehmen dafür auch gerne sogenannte Med-Packs, Spritzen oder Verbände. Wie im richtigen Leben, reicht ein kurzer Schluck aus dem Aspirinfläschchen, um Schusswunden, Schnitte und sogar kaputte Kleidung wieder zu „heilen“. Ähnlich Wirkung hatten bisher nur harte Drogen…
Die Waffen – Ostereiersuche für Erwachsene!
Was wäre ein guter Ego-Shooter ohne Waffen? Strunzlangweilig natürlich. Darum gibt es selbige normalerweise in rauen Mengen.

Dabei ist es selbstverständlich, wenn vom kleinen bis zum großen Kaliber alles was knallt und Peng macht einfach so in der Gegend herumliegt. Wie auch im richtigen Leben, findet man in so ziemlich jeder Straßenecke Pistolen und Maschinengewehre. Nur wenige Meter daneben liegt dann für gewöhnlich auch immer die passende Munition.
Cleverere Entwickler haben den Realismusgrad noch höher gedreht und Waffen und Munition an noch plausibleren Orten, wie Müllcontainer, Spinde oder Kühlschränke abgelegt. Wie oft ist es einem selbst nicht schon einmal passiert? Da will man zum eiskalten Bier greifen und hat versehentlich die 45er Magnum in der Hand? Gekühlt schießt’s sich eben doch am Besten.
Die Umgebung – Wenn es keine Textur ist, kann man es kaputtschießen!
Es gibt Konstanten im Ego-Shooter-Bereich, die sich durch alle Spiele ziehen. So stehen in jedem Spiel irgendwo Fässer herum.

Ich habe heute auf der Fahrt zu Arbeit mal darauf geachtet und exakt 0, in Worten: Null Fässer auf meinem Fahrtweg entdecken können. Doch ist mein Heimatort vielleicht auch nicht repräsentativ für die restliche Welt. Ich bin sicher, dass es anderswo von Fässern gesäumte Alleen gibt. Dass diese Fässer mit hochexplosivem Inhalt gefüllt sind, ist selbstverständlich. Es macht ja auch keinen Sinn, Gefahrgut sicher zu deponieren und wegzuschließen.
Doch auch Feuerlöscher haben es andernorts in sich und explodieren bei Beschuss. Logisch: Das brennbare Löschmittel bewirkt bei korrekter Anwendung ein Gegenfeuer und kann somit effektiv zur Brandbekämpfung genutzt werden.
Neben diesen sinnvollen Gegenständen, gibt es in einer gelungenen Ego-Shooter-Umgebung aber noch mehr zu bestaunen.
Türen zu Beispiel. Waren es in den ersten Spielen ausschließlich Schiebetüren, gesellten sich später auch innovative Schwingtüren hinzu. Seltsamerweise kann man diese je nach Laufrichtung nach innen und nach außen öffnen. Ich habe das kürzlich mit meiner Wohnzimmertür probiert und sitze seither im Durchzug… Der Handwerker kommt aber bald und repariert die Scharniere.

Nicht zu vergessen sind außerdem die Fahrstühle. Ich stolpere während eines normalen Tages über gerade einmal einen einzigen popeligen Fahrstuhl und selbst da nehm ich lieber die Treppe. In Ego-Shootern wird man von Fahrstühlen gerade zu erschlagen. Vom klassischen Bürofahrstuhl, über die Lastenhebebühne bis hin zu Industrieplattformen begegnet dem Spieler so ziemlich alles, was im weitesten Sinne an Otis’ Erfindung erinnert. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob man noch zwei gesunde Füße hat oder nicht, man MUSS den Fahrstuhl benutzen, weil es oft keine Treppen als Alternative gibt.
Da schließt sich dann auch wieder der Kreis zu den obenerwähnten fehlenden Beinen unserer Helden…
Und vergesst Schlüssellöcher! In Ego-Shootern gibt es zwar Schließmechanismen, diese lassen sich aber in den seltensten Fällen mit einem Schlüssel öffnen. Vielmehr gibt es entweder Magnetkarten, Retina- oder Fingerprintscans oder aber Schalter und Knöpfe. Und damit sind nicht die kleinen Dinger an eurer Fernbedienung gemeint. Nein! Ich spreche hier von riesigen Schaltern, kopfgroße Buttons, die beim Drücken ihre Farbe ändern (idealerweise von rot auf grün) und gigantische Schalteranlagen, für deren Bedienung man studiert haben muss.
Man stelle sich vor, man müsste ein Schalterrätsel von 12 Schaltern mit je 3 Zuständen lösen, um zu hause im Flur das Licht anzumachen… Hmm. Auch eine Möglichkeit Strom zu sparen.
Die Gegner – 98% des feindlichen Etats sind Personalkosten!

Wo es einen Helden gibt, muss es natürlich auch Widersacher geben. Diese sind oftmals miteinander verwandt und sehen sich somit für gewöhnlich immer recht ähnlich. Unterschiede findet man in aller Regel im Outfit, das je nach Örtlichkeit variieren kann. Eine Art Uniform des Bösen.
Waren die Bösewichter früher noch ziemlich dämlich, haben sie in letzter Zeit einiges an Gehirnschmalz zugelegt. (nicht immer, aber immer öfter) Einen unfairen Vorteil haben die Kontrahenten für gewöhnlich dadurch, dass sie einen schier unendlichen Munitionsvorrat haben. Nimmt man allerdings die Waffe eines getöteten Gegners auf, sind maximal noch fünf Schuss im Magazin.
Der Anführer der Feindesbande ist - auch wenn es sich um einen Menschen handelt - in aller Regel das absolute Böse. Durchsetzt vom unendlichen Hass, ohne Moral oder sonst irgendwelche annähernd menschlichen Züge würde er auch ohne mit der Wimper zu zucken junge Hundewelpen erschießen. Glücklicherweise ist er für gewöhnlich ebenso selbstverliebt, wie kaltblütig. Und so ist er nahezu unfähig unseren Helden zu töten, wenn er die Chance dazu hat, sondern erklärt immer noch lang und breit seine Pläne oder wie genial er doch sei.
Ich möchte wetten, dass auch ein Osama Bin Laden ähnlich gestrickt ist und noch lange Reden hält, bevor er einen gefangenen Christen abknallen lässt…
Speichern - Das kann ich auch besser!
Wie oft ist es einem selbst schon mal so ergangen? Da sitzt man im Fernsehsessel, rechts die Fernbedienung in der Hand, links die Flasche Bier und schaut genüsslig in den Flimmerkasten und dann quakt es von rechts: "Findest Du, dass ich zugenommen habe?"

Da man schon das zweite Bier intus hat, ist die Zunge etwas lockerer und es rutscht einem ein "Ein bißchen vielleicht. Aber es steht Dir!" heraus. Dabei hatte man mit der Wortahl "ein bißchen" positiv hervorheben wollen, dass sich die Zunahme nur im einstelligen Kilobereich bewegt hat. Das wird vom Frauchen aber in keiner Weise gewürdigt. Stattdessen hängt den restliche Abend der Haussegen schief und spätere nächtliche Annäherungsversuche werden mit einem "Ich bin Dir doch eh viel zu dick!" abgewehrt.
Hier hätte ein Speichern vor der obengenannten Antwort Wunder bewirkt.
So verhält es sich auch in einem Ego-Shooter. Häufiges Speichern schützt vor mieser Stimmung und so empfiehlt es sich vor dem Betreten eines Raumes oder neuen Levelabschnitts immer schön auf die Quicksave-Taste zu hämmern.
Trigger – If ego.ort=“Sackgasse“ Then gegnermassen=ON
Da pures Ballern auf Dauer zu eintönig wird, sind Ego-Shooter mit zahlreichen vordefinierten Szenen oder gescripteten Events gespickt.
Grundsätzlich tauchen beispielsweise nach dem Aufsammeln einer riesigen Wumme oder dem Erobern eines stationären Geschützes plötzlich Unmengen von Gegnern auf, die von euch umgelegt werden wollen. Es scheint sich hierbei um eine Art Eichung für die neu entdeckte Waffe zu handeln.

Es gibt aber auch den umgekehrten Fall, in dem so lange neue Divisionen von feindlichen Soldaten aus einen Dixi-Klo kommen, bis ein bestimmter Punkt eingenommen wurde.
Mit den Ängsten des Spielers spielt hingegen der klassische Tür-Zu-Effekt, der immer genau dann eintritt, wenn man einen dunklen Raum betritt. Für gewöhnlich finden sich dann allerdings keine von den obengenannten Schaltern und man muss den kalten Schauer über sich ergehen lassen, denn auch mit einem Raketenwerfer im Gepäck lässt sich die eben noch offene morsche Holztür nicht aus den Angeln sprengen. Echte digitale Wertarbeit.
Damit komme ich auch schon zum Ende des kleinen Ego-Shooter-Leitfadens und hoffe, euch für euern nächsten Einsatz gut vorbereitet zu haben.
Was für unsinnige, nervige und klischeehafte Szenen fallen euch ein? Diskutiert mit uns im Forum.